Über unsere Kinder wird geschrieben.
Aktuelle Medienberichte über unsere Arbeit am DZFT finden Sie hier – weitere Informationen und Forschungsberichte unter anderem bei Facebook.
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Neue Therapie lässt zu kleine Babyherzen vor der Geburt wachsen
Fehlbildungen des kindlichen Herzens werden am Deutschen Zentrum für Fetalchirurgie und minimal-invasive Therapie am Universitätsklinikum Giessen und Marburg verblüffend einfach vorgeburtlich therapiert: Allein durch Sauerstoff werden unterentwickelte Aortenbögen ungeborener Kinder zum Wachstum angeregt. Mehreren Kindern konnte die Herz-OP nach ihrer Geburt auf diese Weise bereits erspart werden. Über erste Ergebnisse berichtete schon die Fachzeitschrift „Pediatric Cardiology“.
Etwa vier von 10.000 Kindern kommen mit einem deutlich verengten Aortenbogen auf die Welt. Die meisten betroffenen Kinder müssen deshalb bald nach ihrer Geburt am kleinen Herzen operiert werden.
Bei Amélie (Bild) wurde die Fehlbildung in der 24. Schwangerschaftswoche vermutet. Zusätzlich war ihre linke Herzkammer, die die Organe über die Aorta mit sauerstoffreichem Blut versorgt, zu klein. „Nach der Geburt wäre deshalb der Körperkreislauf nicht richtig durchblutet worden. Man bereitete uns darauf vor, dass unser Kind möglicherweise nicht überleben würde“, erinnert sich ihre Mutter Cécile. Mindestens eine OP wäre in jedem Fall notwendig gewesen. „Die Vorstellung – so ein winziges Baby angeschlossen an viele Schläuche – war für uns gruselig“, sagt sie.
Zwei Wochen vor Ende der Schwangerschaft legte ihnen nach eingehender Untersuchung Prof. Thomas Kohl, Leiter des DZFT, eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Idee ans Herz: Amélies Mutter sollte mehrere Stunden täglich über eine Maske Sauerstoff einatmen. Auf diese Weise sollte das Herzwachstum des Kindes angeregt werden. „Anfangs waren wir irritiert, denn die Idee war neu und noch nicht erprobt. Aber da sein Vorschlag ohne Risiko schien, wollten wir die Chance auf alle Fälle nutzen“, erzählt Amélies Vater Michael.
Über dreizehn Tage atmete Cécile zusätzlichen Sauerstoff. „Dieser geht über den Mutterkuchen auch zum Teil in das Blut des Kindes über und stimuliert dessen Lungengefäße, sich zu öffnen“, erklärt Kohl. Es fließt mehr Blut durch die Lungen und somit auch zurück zum linken Herzen. Dadurch erweitert sich das linke Herz. Nicht nur die linke Herzkammer und ihre Herzklappen wachsen. Auch die nachgeschaltete Körperschlagader vergrößert ihren Umfang. „Im Verlauf der Therapie hat sich der Durchmesser von Amélies eingeengtem Aortenbogen fast verdoppelt“, berichtet Kohl.
Genau am errechneten Termin kam Amélie per normaler Geburt auf die Welt. Zunächst waren die Ärzte nicht sicher, ob das kleine Mädchen nicht doch noch operiert werden müsse. „Zu unserer Erleichterung stabilisierte sich ihr Kreislauf aber innerhalb weniger Tage. Amélie ist seitdem quietschlebendig und entwickelt sich ausgezeichnet“, sagt ihre Mutter. Heute ist das Mädchen drei Jahre alt und ihre Eltern sind froh, Kohls Vorschlag angenommen zu haben.
Bis jetzt konnte Prof. Thomas Kohl mehr als 20 Ungeborene mit seiner Sauerstofftherapie behandeln. Bei rund der Hälfte von ihnen erzielte er damit den gewünschten Wachstumseffekt. Keines der Kinder zeigte bislang irgendwelche Nebenwirkungen.
Sein Plan für die Zukunft: Der Giessener Mediziner will jetzt in einer aufwendigen wissenschaftlichen Studie gemeinsam mit polnischen Kollegen untersuchen, bei welchen Herzerkrankungen konkret Operationen verhindert oder ihr Verlauf erleichtert werden können. Aber schon jetzt scheint sich durch die recht einfache und kostengünstige Methode eine neue Ära in der Herzbehandlung von zahlreichen Ungeborenen abzuzeichnen: Sie erlaubt zum ersten Mal die medikamentöse Beeinflussung von zu kleinen Herzkammern, Herzklappen und Gefäßen von Ungeborenen, nicht nur des Aortenbogens.
Erste Ergebnisse in „Pediatric Cardiology“; kostenloser Download.




